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Themen
Hier erfährst Du mehr über unsere inhaltliche Arbeit. Mit hochschul- und allgemeinpolitischen Themen ergreifen wir Position für Studenten gegenüber der Politik und bringen diese auch in die Diskussion des RCDS-Bundesverbandes ein.
 
Neu ist unser Arbeitspapier:

Die Zukunft der THÜRINGER HOCHSCHULEN

Die Thüringer Hochschulen sollten sich als ein Verbund aus unterschiedlichen, auf dem „Campus Thüringen“ angeordneten, wissenschaftlichen Einrichtungen, die eigenständige, aber auch gemeinsame Ziele in Forschung und Lehre verfolgen, betrachten. Hochschulen, die Tradition und Zukunft vereinen und es sich zur Aufgabe machen, begabte, junge Menschen zu qualifizierten Abschlüssen zu führen und ihre Entwicklung zu eigenständigen, engagierten Persönlichkeiten zu fördern. Hochschulen, die in enger Kooperation mit der Thüringer Wirtschaft stehen und versuchen, langfristig Absolventen im Freistaat Thüringen zu halten.

Vorbemerkung

Thüringer Hochschulen – Tradition und Zukunft im Zentrum Europas

- Wiege von Humanismus, Reformation, Aufklärung und Deutscher Nation -

Schon im Mittelalter gehörte die Universität Erfurt aufgrund der zentralen Lage Erfurts am Schnittpunkt europäischer Verkehrswege zu den renommiertesten Universitäten Europas, die namhafte Studenten und Dozenten anzog (Eobanus Hessus, Ullrich von Hutten, Martin Luther). Nach dem Niedergang der Erfurter Universität – die auch als „Bologna des Nordens“ gerühmt wurde – entwickelte sich die aus der Reformation entstandene Universität Jena, die während ihrer Blütezeit im 18. Jahrhundert u.a. Johann Gottlieb Fichte, Georg Hegel, Friedrich Schelling und Friedrich Schiller anzog und mit der Jenaer Urburschenschaft schließlich zum Geburtsort der Idee einer Deutschen Nation wurde.

- Wiege der Optik, Zentrum von Naturwissenschaft, Technik und Innovation -

Im 19. Jahrhundert wurde Jena mit Ernst Abbe, Otto Schott und Carl Zeiss zum weltweit bekannten Geburtsort des „optischen Apparatebaus“. Mit dem Chemiker Johann Wolfgang Doebereiner, dem Physiker Johann Wilhelm Ritter und dem Zoologen Ernst Haeckel wurde Jena zum Zentrum der Naturwissenschaft. Heute wird in Jena, an der TU Ilmenau und den jeweils ansässigen Forschungsinstituten Spitzenforschung betrieben. In Jena, Ilmenau und an den Fachhochschulen in Nordhausen, Schmalkalden und Jena werden die Fachkräfte für Morgen ausgebildet.

- Orte der Literatur, Kunst und Musik -

Mit der Bauhaus-Universität und der Hochschule für Musik in Weimar verfügt Thüringen auch über einen traditionsreichen Ort der „Schönen Künste“. Thüringen hat Menschen aus aller Welt fasziniert und tut dies noch heute.

Aus ihrer Vergangenheit müssen die Thüringen Hochschulen Chancen für die Zukunft generieren. Durch die Deutsche Einheit und die Europäische Einigung liegen die Thüringer Hochschulen wieder im Zentrum Deutschlands und Europas. Durch diese Lage, die seit 1990 entwickelte Infrastruktur und ihre lange Tradition befinden sich die Thüringer Hochschulen in einer guten Ausgangslage, um die Herausforderungen im nationalen und internationalen Wettbewerb der Hochschulen zu bestehen.

Lehre und Leben, Forschung und Wissenschaft
Lehre

Die Thüringer Hochschulen verfügen über ein breitgefächertes, qualitativ hochwertiges Lehrangebot. Moderne Lehrgebäude mit zukunftsfähig ausgestatteten Hörsälen, Seminarräumen und Laboratorien garantieren zusammen mit den bestandsreichen Bibliotheken ideale Studienbedingungen. Auch das Umfeld – lebenswerte, gut vernetzte Städte mit vielfältigen kulturellen Angeboten und günstigen Mieten – laden zum Studium nach Thüringen ein.

Die Thüringer Hochschulen müssen sich für die Zukunft folgende Ziele setzen:

Lehre

 - Verbesserung der Lehre

Zur Verbesserung der Lehre spielt die Evaluation gem. § 8 ThürHG – die sowohl intern als auch extern erfolgt – eine wichtige Rolle. Nach einer Umfrage der HRK werden nur 38, 5 % der Evaluationen veröffentlicht. (Vgl. Wegweißer 2010: Qualitätssicherung an Hochschulen; Projekt Qualitätsmanagement, in: Beiträge zur Hochschulpolitik 8/2010.) Im Falle der Veröffentlichung werden die Evaluationsergebnisse von den Lehrenden meist jedoch kaum wahrgenommen und auch im Falle der Kenntnisnahme nur selten kritisch reflektiert. Zudem wird die Evaluation nach unterschiedlichen Maßstäben, teils sogar nur von der Fachschaft (z.B. FSR Jura/Jena) oder der Fakultät durchgeführt. Zur Verbesserung der Qualität in der Lehre ist zum einen eine bundeseinheitliche, nach gleichen Maßstäben erfolgende Evaluation als auch eine vom Evaluationsergebnis abhängige Besoldung und Vergabe von Drittmitteln unverzichtbar.

- Intensiver Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis

Ein intensiverer Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis kann neue Impulse geben und zur Steigerung der Qualität beitragen. Daher ist es von essentieller Bedeutung Praktiker aus Wirtschaft, Unternehmensforschung und Verwaltung für die Lehre zu gewinnen.

- Vermeidung gleicher oder ähnlicher Studienfächer

Noch immer werden an den Thüringer Hochschulen gleiche oder ähnliche Studienfächer angeboten. (z.B. Psychologie/Sozialwissenschaften/Staatswissenschaften in Jena und Erfurt). Diese Konkurrenzsituation wirkt sich u.a. negativ auf Berufungsverfahren aus. An Stelle von zwei Professuren könnte eine „Spitzenprofessur“ geschaffen werden. Zur Verbesserung der Lehre – aber auch der Forschung – ist eine Vernetzung z.B. Gemeinsame Studienangebote, Lehrstühle daher dringend erforderlich.

- Lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen gehört in unserer heutigen, sich ständig wandelnden Wissensgesellschaft zum Alltag. Akademische Zusatzqualifikationen werden in zahlreichen Berufen immer bedeutsamer. Auf diese Entwicklung müssen die Hochschulen regieren und für diese neue Zielgruppe Teilzeit- oder Fernstudiengänge schaffen, die gleichsam eine neue Einnahmequelle erschließen.

- eLearning

Die Thüringer Hochschulen sollten auch in der Lehre neue Wege gehen. Neue Formen der Wissensvermittlung, mittels E-Learning oder Livestream, die eine ständige Anwesenheit entbehrlich machen, sollten auch in Thüringen weiter verfolgt werden. Schließlich bieten auch englische und amerikanische Spitzenuniversitäten diese Möglichkeit, die besonders für die Vergrößerung des Angebots an Fernstudiengängen geeignet ist.

Leben

- Verbesserung der Studien- und Lebensbedingungen (Ausbau Mensen, Wohnheime, Kindertageseinrichtungen, ÖPNV-Volle Mobilität)

Die bestehenden, guten Rahmenbedingungen müssen gehalten, bzw. weiter ausgebaut werden. Angesichts der gegenwärtig wachsenden Studentenzahlen ist der Ausbau der Mensen, Studentenwohnheime und Kindertageseinrichtungen – letzteres vor allem mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Studium – unumgänglich. Service und Beratungsangebote zu Studium/Berufsperspektiven müssen in enger Abstimmung mit der Wirtschaft ausgebaut werden.
Darüber hinaus müssen die Hochschulstädte durch eine Ausweitung des Semestertickets auf den ÖPNV in ganz Thüringen „Campus-Thüringen-Ticket PLUS“ weiter vernetzt werden. Volle Mobilität ist für die Attraktivität des Hochschulstandorts Thüringen und die Entwicklung der Thüringer Wirtschaft (Praktika, Ferienjobs) unverzichtbar.

- Förderung von Frauen

Die Thüringer Hochschulen müssen sich langfristig das Ziel setzen, den Anteil von Frauen unter den Promovierenden und Habilitanden zu erhöhen. Während Frauen inzwischen mehr als 50 % der Studienanfänger ausmachen, beträgt ihr Anteil an Professuren nur circa 16 %.  Gleichsam muss die Quote der Studienanfängerinnen in den Naturwissenschaften erhöht werden. So beträgt der Frauenanteil in der Elektrotechnik beispielsweise nur circa 9 Prozent, in der Informatik 17 Prozent. Hierdurch gehen der Wissenschaft und Wirtschaft kluge Köpfe und Talente verloren. Diesem Trend muss durch gezielte Strukturmaßnahmen, nicht jedoch durch Quoten entgegengesteuert werden.

- Intensivierung Zusammenarbeit /Austausch Hochschulen im Ausland

Mit Blick auf die Globalisierung ist eine Intensivierung der Zusammenarbeit und des Austausches (Wissens-, Personal- und Studentenaustausch) mit Hochschulen im Ausland von wesentlicher Bedeutung. Dies erfordert, dass Lehrpläne und Studienabschlüsse weiter den internationalen Standards angepasst werden. Um Studenten aus dem Ausland zu gewinnen, müssen die Studienangebote als auch die Verwaltung/das Studentenwerk auf die Bedürfnisse ausländischer Studenten angepasst werden. (z.B. Beseitigung von Sprachbarrieren). Gleichsam sind Netzwerke und Beziehungen (z.B. Coimbra) zu intensivieren.

- Studenten ins Land holen, Absolventen im Land halten

Der demographische Wandel ist eine der größten Herausforderungen, aber auch Chancen für den Freistaat Thüringen. Laut dem Thüringer Landesamt für Statistik und zahlreichen weiteren Prognosen wird die Bevölkerungszahl in Thüringen langfristig noch stärker als in anderen Ländern der Bundesrepublik zurückgehen. Leuchtturmregionen wie Erfurt und Jena sind aufgrund infrastruktureller Standortvorteile weniger als ländliche Regionen betroffen. Hauptursache ist neben Abwanderung vor allem die niedrige Geburtenrate bei steigender Lebenserwartung. Die Hochschulen müssen durch geeignete – in Kooperation mit dem Land durchzuführende – Werbemaßnamen, Studenten nach Thüringen locken und diese – durch eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft – im Land halten.

Forschung

Die Thüringer Hochschulen verfügen über modernste Einrichtungen und damit ideale Voraussetzungen um Spitzenforschung zu betreiben. Am Humboldt’schen Ideal der Einheit von Forschung und Lehre sollte trotz des Bologna-Prozesses festgehalten werden.
Um in Zukunft erfolgreich zu sein müssen die Thüringer Hochschulen sich jedoch weiter vernetzten und gegenseitig ergänzen. Ziel muss es sein, sowohl exzellente Grundlagenforschung als auch anwendungsorientierte Grundlagenforschung und produktorientierte Anwendungsforschung auf internationalem Niveau zu betreiben.

Von essentieller Bedeutung sind:

- Integration der Lernenden in Forschungsprojekte
- Ausbau außeruniversitärer Forschungseinrichtungen
- Ausbau interdisziplinärer und interuniversitärer Projekte

Wissenschaft und Wirtschaft Hand in Hand

Die Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen muss intensiviert werden. Wie erfolgreich solche Kooperationen sein können, zeigten Ernst Abbe, Otto Schott und Carl Zeiss. Thüringen, und vor allem die Thüringer Hochschulen können nur international erfolgreich sein, wenn Forschungsergebnisse durch qualifizierte, an den Universitäten ausgebildete Fachkräfte in Produkte transferiert werden. Die Hochschulen müssen – trotz eventuellen Widerstands aus der Studentenschaft – zur Zusammenarbeit bereit sein, um einen Beitrag zur Profilierung Thüringens als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort zu leisten.

Finanzierung der Hochschulen

Zur Garantie guter Lehr- und Studienbedingungen wie zur Forschung ist eine größtmögliche Planungs- und Finanzierungssicherheit von essentieller Bedeutung. Mittel müssen leistungs- und belastungsorientiert nach erfüllbaren Ziel- und Leistungsvorgaben vergeben werden. Eine Finanzierung der Thüringer Hochschulen, insbesondere von Spitzenforschung, ist unter Berücksichtigung der Haushaltslage der kommenden Jahre, der schon jetzt vorgesehenen Einsparungen und stetig wachsender Studentenzahlen wohl kaum möglich. Gewiss haben sich CDU und SPD im Koalitionsvertrag für diese Legislatur explizit gegen Studiengebühren ausgesprochen. Mit Blick auf den Regierungswechsel in Baden-Würrtemberg erscheint eine Renaissance der Diskussion um Studiengebühren – die ohnehin mit Blick auf Artikel 13 IPwskR verfassungswidrig sein dürften – jedoch aussichtslos.

Um in Zukunft erstklassig und international wettbewerbsfähig zu sein, muss daher über andere Finanzierungsalternativen für die Hochschulen von MORGEN nachgedacht werden.

- Aufhebung der Kooperationsverbots und Querfinanzierung durch den Bund
- Nachgelagerte Studiengebühren
- Absolventensteuer
- Finanzierung durch Stiftungskapital
- Erhöhung Drittmittel


Jede der dargelegten Möglichkeiten bietet Vor- und Nachteile, womit ein langer Diskussionsprozess unumgänglich ist. Schließlich sind sowohl die Aufhebung des Kooperationsverbots als auch die Finanzierung über eine Absolventensteuer verfassungsrechtlich bedenklich. Auch eine vorwiegend bzw. ausschließliche Finanzierung durch Drittmittel dürfte nicht mit Art. 5 Abs. 3 GG vereinbar sein.

Verwaltung der Hochschulen

Oftmals konterkarieren Doppelstrukturen die Finanzkraft und Leistungsfähigkeit der Thüringer Hochschulen. Nach dem Vorbild einer amerikanischen „State University“ sollte auch Thüringen eine Zusammenlegung der Verwaltungseinheiten z.B. Prüfungsämter seiner Hochschulen anstreben. (Vgl. schon S. 2 Vermeidung gleicher oder ähnlicher Studienfächer).

Vermarktung der Thüringer Hochschulen

Die Thüringer Hochschulen sollten ihre gemeinsame Vermarktung – vor allem im Ausland – intensivieren, wobei die Campus-Thüringen Idee forciert weiterzuentwickeln ist. Der Umstand, dass Thüringen keine Studiengebühren hat, sollte bei der Bewerbung der Hochschullandschaft nicht mehr hervorgehoben werden. Stattdessen sollte der Focus auf qualitative Vorteile und Tradition und Zukunft gelegt werden.